Zur Situation in Miltenberg

Kein Treffpunkt
Seit dem 25.8.08 ist die Miltenberger Jui geschlossen, so kommt es dass die Miltenberger Jugend wortwörtlich auf der Straße sitzt. Jedes Wochenende treffen sich die alternativen Jugendlichen aus Miltenberg und Umgebung am Miltenberger Bahnhof, in Banken und vor Gaststätten. Zu dieser kalten Jahreszeit sind beheizte Räume notwendig, da auch keine Geldmittel vorhanden sind um z.B. überteuerte Kneipen und Konzerte zu besuchen. Auch das Treffen bei Einzelnen Person fällt aufgrund der Gruppengröße aus. Jugendeinrichtungen anderer Ortschaften können aufgrund des schlecht ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetzes auch nicht besucht werden.
Leider sieht die Miltenberger Polizei und der Bürgermeister das anders. Für Sie ist diese Jugendkultur scheinbar ein Schandfleck der Stadt, den es auszumerzen gilt. So hagelt es in letzter Zeit immer häufiger Platzverweise und Hausverbote für öffentliche Gebäude an Jugendliche, die versuchen sich irgendwo zu treffen. Die Ordnungshüter scheinen nicht in der Lage zu sein, Verständnis für die schwierige Situation der Jugendlichen zu zeigen.
Stattdessen werden diese aufgefordert sich doch in einer Kneipe oder zu Hause, wie „normale“ Jugendliche, zu treffen, doch können es sich nicht alle leisten regelmäßig eine Kneipe zu besuchen und auch ist es nicht sonderlich einfach in einer Größeren Gruppe, sich bei jemandem Zuhause zu treffen.
Polizei und Nazis…
Auf der Straße wo sich die Betroffenen treffen werden sie regelmäßig durch die Polizei aufgescheucht, was nicht zur Entspannung des Verhältnisses der beiden Gruppen beiträgt, verbale Auseinandersetzungen und darauf folgende Platzverweise sind an der Tagesordnung, beispielsweise trafen sich vergangenen Freitag Abend in Miltenberg vor der Reifeisenbank einige Jugendliche wo sie sich unterhielten und Musik hörten. Aufgrund der Kälte setzten sich einzelne von ihnen in die Reifeisenbank hinein. Nach kurzer Zeit rückte Polizei und Sicherheitsdienst an, von sämtlichen Jugendlichen wurden Personalien aufgenommen und ihnen wurde Hausverbot für Reifeisen- und Postbank sowie Sparkasse und Bahnhof erteilt. Begründung: Sie hätten auf dem Platz vor der Reifeisenbank „gefeiert“, und damit Kunden abgeschreckt. Auf Erklärungsversuche dass es keine Alternative als Treffpunkt gibt, gingen die Ordnungshüter nicht ein.
Anderes Beispiel: Sonntag, rund zehn alternativ aussehende Jugendliche trafen sich. Da sie kaum noch Möglichkeiten haben sich irgendwo zu versammeln setzten sie sich auf einen geschotterten Platz zwischen Parkplatzanlage und Straße, stellten Plastikstühle und einen Tisch auf, hörten Musik und saßen beisammen. Während sich die Jugendlichen dort aufhielten, versammelten sich in sicherem Abstand drei augenscheinlich Nazis, versuchten die Anwesenden zu fotografieren und telefonierten vermutlich nach „Verstärkung“. Nachdem diese (aus zwei weiteren Nasen bestehend) eingetroffen war wurde versucht die anwesenden einzuschüchtern. Das zeigte allerdings bei den Jugendlichen wenig Wirkung und so zogen die Nazis wieder ab. Im vorbeifahren pöbelten sie die Gruppe noch einmal aus dem sicheren Auto an, was ihnen aber nur Gelächter von Seiten der Jugendlichen einbrachte.
Nach einiger Zeit trafen ein Polizist und eine Polizistin ein, wollten von allen die Personalien aufnehmen, warfen den Jugendlichen eine Illegale Versammlung vor. Dies begründeten sie mit dem Argument das die Gruppe Fahnen mit Anarchistischen Symbolen mit sich führte. Nach der Personalien-Aufnahme und einigen Wortgefechten bekamen die Jugendlichen erneut einen Platzverweis erteilt und mussten sich wieder auf die suche nach einem neuen Platz machen.
Eine neue Jugendintiative?
Die Rufe nach einem Autonomen Jugendzentrum welches für alle da ist und unter Selbstverwaltung steht werden immer lauter. Wir denken an einen Raum, ein kleines Haus oder Lagerhalle die, die Jugendlichen herrichten und als Jugendtreff einrichten können, unabhängig von Stadtverwaltung und Polizei die offensichtlich keinerlei Jugendinteressen vertreten. Die „alte“ Jui sehen wir tatsächlich als gescheitertes Projekt an, woran unserer Meinung sowohl die Stadt als auch die Leitung schuld trägt. Eine Jugendinitiative die jeden ihrer Schritte mit einer konservativen Stadtverwaltung absprechen muss ist wahrlich keine Initiative mehr. Es ist an der Zeit für einen neuen unabhängigen Jugendtreff.

Zum Thema JUI gibt es auch hier einen lesenswerten Artikel: Kommunal.blogsport.de


14 Antworten auf “Zur Situation in Miltenberg”


  1. 1 Ich 03. Februar 2009 um 18:38 Uhr

    Organisiert doch mal ne Demo um auf eure Situation aufmerksam zu machen… Öffentlichkeit erreichen… Schulsozialarbeiter und alle möglichen Leute bequatschen… usw… Öffentliche Gemeinderatssitzung zusammen besuchen und dazu vorher mobilisieren und im Anschluss ne Sponti… usw… bleibt am Ball und viel Erfolg euch

  2. 2 Oi Punk 04. Februar 2009 um 20:54 Uhr

    @Ich:
    genau, wenn den Linken nichts mehr einfällt machen sie ne demo, empören sich, dass der Staat und die Sozialarbeiter ihnen ihre Wünsche nicht erfüllen und fühlen sich anschließend wunderwas aktionistisch.Aber manchmal ist vorher nachdenken einfach besser

  3. 3 Ich 05. Februar 2009 um 11:02 Uhr

    Na Oi Punk, na dann mal raus mit deinen Ideen… oder haste keine und bist nur einer der gerne an allem rumnörgelt?

  4. 4 Leser 13. Februar 2009 um 19:48 Uhr

    hi Leute,

    in der Mainecho war heute ein Artikel zu dem Thema

  5. 5 CARL CARLSON 14. Februar 2009 um 11:20 Uhr

    NACHSTEHEND SEI HIER DER BEITRAG IM „BOTEN“ DOKUMENTIERT:

    Bote vom Untermain, 13.02.2009

    Ein Jahr lang Hausverbot am Bahnhof Miltenberg

    Randale Polizei und Jugendliche stellen Vorfall in der Unterführung unterschiedlich dar- Die Westfrankenbahn bleibt hart

    Miltenberg „Hausverbot wegen Randale am Bahnhof“, so lautete der Titel einer Polizeimeldung am 26. Januar in unserer Zeitung. Die beteiligten Jugendlichen aber wehren sich gegen den Vorwurf, sie hätten randaliert. In einem Brief stellen sie dar, dass lediglich ein Jugendlicher gegen die Wand getreten habe, um sich abzureagieren. Die Polizei bewertet die Ereignisse „im Kontext einer aufgeregten Menschenmenge sowie dem Einfluss von Alkohol und/oder Drogen“.
    Alles begann am Freitag, 23. Januar, offenbar damit, dass ein Jugendlicher aus einer Gruppe von etwa 15 jungen Leuten aufgrund eines Asthma-Anfalls in der Bahnunterführung kollabierte. Fast zeitgleich zum Notruf der Jugendlichen rief der Fahrdienstleiters am Bahnhof zweimal bei der Polizei an und sprach von Randale. Die Rettungsleitstelle, so Polizeichef Bernhard Wenzel, habe kurz darauf um Polizeiunterstützung gebeten, da mehrere Personen randalierten. Daraufhin seien mehrere Polizeistreifen, darunter auch in Zivil, zum Bahnhof gefahren.
    Schnelle Beruhigung Als die uniformierte Streife eintraf, beruhigte sich die Situation offenbar recht schnell. Die Jugendlichen konnten die Polizisten davon überzeugen, dass sie nichts Böses im Schilde führten; auch die Sanitäter hatten kein Interesse an einer Strafverfolgung. Die Polizisten stellten laut Wenzel Personalien fest und vermuteten, dass der ein oder andere Jugendliche unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand. Dennoch leitete die Polizei kein Folgeverfahren ein und zog ab.
    Zehn Minuten später ging es rund. Ein Bahnmitarbeiter bat laut Polizeichef die Polizei um die Feststellung der Personalien aller Jugendlichen, da diese immer noch in der Unterführung seien. Ziel sei es, ihnen Hausverbot zu erteilen. Ein Teil der Streife fuhr zurück, außerdem waren zwei Beamte der zuständigen Bundespolizei vor Ort.
    „Personen an der Wand fixiert“ Die Jugendlichen, die sich ihren Worten zufolge nach dem Abtransport ihres Freundes mit gutem Zureden gegenseitig beruhigen wollten, werfen einem Mitarbeiter des Bahnsicherheitsdiensts vor, er sei ohne ersichtlichen Grund auf ein 14-jähriges Mädchen losgegangen. Nur das Eingreifen einer Frau habe Schlimmeres verhindert. „Sowohl er als auch die Polizisten gingen mit massiver Aggressivität gegen diese Frau vor“, schreibt Jeronimo Moll im Namen der jungen Leute. Ein Jugendlicher habe die Nerven verloren und eine Polizistin weggestoßen, die durch Beleidigungen aufgefallen sei. Daraufhin hätten die Polizisten alle Jugendlichen angegriffen, mit Faustschlägen und Schlagstöcken. Ein Mädchen sei bewusstlos zusammengebrochen.
    Die Polizei schildert das anders. Beim Versuch, die Personalien festzustellen, habe sich eine aufgebrachte Stimmung entwickelt, so Bernhard Wenzel. Dabei habe ein angetrunkener junger Mann eine Polizistin angerempelt. „Um eine Eskalation zu vermeiden, wurden nun die am aggressivsten auftretenden Personen an der Wand fixiert und deren Personaldaten notiert“, heißt es in der Stellungnahme. Dabei „dürften die Bundespolizisten auch ihren Mehrzweckstock bestimmungsgemäß eingesetzt haben, um Personen abzudrängen“, so Wenzel.
    Der von den Jugendlichen zitierte Satz eines Polizisten, er könne ja auch „sein Gas auspacken“, sei möglicherweise in einem Gespräch gefallen, sagt Wenzel, es sei jedoch kein Reizgas eingesetzt worden. Er weist den Vorwurf zurück, eine Polizistin habe eine Jugendliche als Schlampe bezeichnet.
    Die Personalien der Jugendlichen habe die Polizei dem Sicherheitsbeauftragten übergeben, worauf die Bahn Hausverbot erteilte. Laut den Jugendlichen habe sogar der Junge, der mit Asthmaanfall ins Krankenhaus gebracht worden war, Hausverbot bekommen. Das ist für die jungen Leute ebenso unverständlich wie der Vorwurf der Randale. Wenzel bewertet die Maßnahmen der Polizei als rechtlich zulässig. Sie seien geeignet gewesen, die angespannte Situation zu beruhigen.
    Die Westfrankenbahn begründet das Hausverbot damit, dass die Jugendlichen in der Unterführung Alkohol getrunken und gegen Mülltonnen getreten hätten. Das Verbot bedeutet aber nicht, dass sie nicht mehr Bahn fahren dürfen. Mit Fahrkarte dürfen sie sich laut Georg Klein von der Westfrankenbahn weiter am Bahnhof aufhalten. Das Hausverbot für 14 Personen gilt bis zum 26. Januar 2010.

    Winfried Zang

  6. 6 Bernhard Wenzel 17. Februar 2009 um 16:36 Uhr

    Als Leiter der Polizeiinspektion Miltenberg möchte ich all jene Leser zum Dialog einladen, welche ihre Interessen oder ggf. auch die Interessen ihrer Gruppe durch behördliche Maßnahmen oder durch Rechte anderer Mitbürger/Institutionen verletzt sehen.

    Über Ort, Zeit, Teilnehmer und Gesprächsinhalte können mit mir Absprachen getroffen werden.

    Also nur Mut, wer etwas bewegen will oder Erklärungen sucht muss aktiv werden

  7. 7 Bernhard Wenzel 17. Februar 2009 um 16:39 Uhr

    Polizeiinspektion
    Burgweg 21
    Miltenberg
    Tel. 09371/9450

    Bernhard Wenzel

  8. 8 Still not lovin 17. Februar 2009 um 19:23 Uhr

    Na dann sorgt doch erstmal für die Kennzeichnungspflicht eurer Schlägertruppen… einschließlich Vermummungsverbot, Strafverfolgung bei Körperverletzungen im Amt, Zerschlagung des Corpsgeistes, usw… Dialog mit den Cops… ich bekomm nen Lachkrampf… A.C.A.B. wer da hingeht/draufeingeht ist selbstschuld… Dialog mit den Cops ist spätestens Anfang April in Baden-Baden/Kehl und Umgebung möglich… grau, quadratisch, praktisch und gut…

  9. 9 Radikaler Schalk 17. Februar 2009 um 21:59 Uhr

    Wie kooperativ die Miltenberger Polizei ist hat sich erst letzten Sonntag wieder in der nähe der alten Volksschule gezeigt.

  10. 10 @Radikaler Schalk 17. Februar 2009 um 22:43 Uhr

    Was war letzten Sonntag?

  11. 11 Radikaler Schalk 20. Februar 2009 um 16:28 Uhr

    Neuer Treff für Nazis im LK Miltenberg

    http://de.indymedia.org/2009/02/242360.shtml?c=on#c556618

  12. 12 Ludwig Lama 23. Februar 2009 um 20:20 Uhr

    Bleibt aber totzdem die Frage: Was war an diesem Sonntag?

  13. 13 Radikale Schalk 24. Februar 2009 um 19:35 Uhr

    An besagtem Sonntag wurden Jugendliche vom Marktplatz (Schnatterloch) von Polizisten vertrieben. Dannach hielten sie sich in der näheren Umgebung auf (z.b. um die katholische Kirche, vor der alten Volksschule und Richtung Main). Es dauerte nicht lang bis die Polizei mit 2 Streifen anrückte. In dem darauffolgenden „Einsatz“ wurde ein Jugendlicher von den Ordnungshütern mit einer Taschenlampe (angeblich „ausversehen“) geschlagen, ein Jugendlicher (den die Cops zu kennen glaubten) musste sein Pulli ausziehen und wurde ne viertel Stunde im Regen so stehen gelassen, sein Rucksack und seine Jacke wurden auf den Boden geschmissen (mehrere Beamte „stolperten“ natürlich „zufällig“ immer wieder darüber), auch auf die anderen Besitztümer des Jugendlichen wurde scheinbar keine Rücksicht genommen, danach bekamen alle Anwesenden ein „Miltenberg-Verbot“ (ein Platzverweis für ganz Miltenberg) scheinbar ohne Angabe von Gründen.

    Leider habe ich diese Informationen nur aus 2ter Hand. Wäre froh wenn jemand mich verbessern oder berichtigen würde.

  14. 14 Ludwig Lustig 02. März 2009 um 23:03 Uhr

    Aus dem Boten vom Untermain, 3.3.09, im Internet veröffentlicht bereits am 2.3.09:

    Den Wunsch nach einem Jugendtreff untermauert

    JUI Friedliche Demonstration am Miltenberger Marktplatz

    Miltenberg. Rund zwei Dutzend Jugendliche und junge Erwachsene machten am Samstagnachmittag mit einer friedlichen Demonstration in der Miltenberger Innenstadt auf ihren Wunsch nach einem autonomen und von der Öffentlichkeit akzeptierten Jugend- und Freizeitzentrum aufmerksam. Auf Transparenten und auf dem mit Kreide beschriebenen – und ordnungsgemäß wieder gesäuberten – Marktbrunnen forderten die Jugendlichen die Behörden auf, in dieser Hinsicht aktiv zu werden.

    „Unzumutbare Zustände“

    Für sie gibt es momentan keine öffentlichen Räumlichkeiten, um sich neben Schule, Ausbildung und Arbeit in der Freizeit zu treffen. Diese Problematik ist jedoch schon länger ein Thema: Ende Oktober wurde der Jugendtreff in den Räumen der alten Volksschule – wie schon zweimal in den Jahren zuvor – wegen „unzumutbarer Zustände“, so Bürgermeister Joachim Bieber, geschlossen, nachdem das Konzept der Selbstverwaltung für die Jugendinitiative (JUI) gescheitert war. Trotz Verbots hatten Jugendliche auf einer wilden Party am 25. Oktober reichlich Alkohol getrunken und geraucht. Ein kaputtgetretener Spülkasten verursachte damals einen immensen Wasserschaden, ein Waschbecken wurde zertrümmert und Heizkörper aus der Verankerung gerissen.

    Noch kein Thema im Stadtrat

    Die Suche nach einem hauptamtlichen Betreuer eines potenziellen Jugendtreffs ist bisher noch zu keinem Ergebnis gekommen. Bieber hatte in seiner Weihnachtsansprache Mitte Dezember angekündigt, dass der Jugendtreff eine hauptamtliche Leitung bekommen solle und dass er die Hoffnung habe, dem Stadtrat „bis spätestens im Februar“ einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten zu können. Jedoch ist diese Angelegenheit auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung am Mittwoch, 4. März, kein Thema.
    Dem Jugendbeauftragten der Stadt Miltenberg, Hubertus Bundschuh, war von der Demo nichts bekannt, bezüglich des aktuellen Stands der Dinge wünscht er sich mehr Information: „Über dieses Thema erfahre ich absolut nichts“.

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