Autonome Grillparty in Miltenberg

Vergangenen Samstag fand in Miltenberg eine spontane Grillparty statt. Zirka 25 bis 30 großteils junge Leute kamen gegen 14 Uhr am Marktplatz zusammen und feierten dort in ausgelassener Stimmung. Dazu wurde am (im Winter abgedeckten) Brunnen ein Transparent angebracht, auf dem zu lesen war: „Unsere Straßen, unsere Plätze – Wir sind gekommen um zu bleiben“, dies war auch das Motto des Zusammentreffens.
Die Aktion sollte offensichtlich auf die schwierige Lage der Jugendlichen, die auf der Suche nach einem neuen Jugendraum sind aufmerksam machen.

Mit Musik, Tonnen-Feuer und Grillzeug besetzten die Jugendlich den Marktplatz, um den Brunnen herum. Dort nahm die Grillparty ihren Lauf und wurde von den vorbeikommenden Passanten/innen fast ausschließlich positiv aufgekommen. Viele dieser Menschen wurden in Gespräche verwickelt.

Nach gut einer halben Stunde lies sich dann das erste Mal eine Polizeistreife blicken, zog jedoch sofort wieder ab, die Anwesenden konnten unbeirrt ihre bunte Aktion weiterführen. Nach einer weiteren viertel Stunde waren sie mit Verstärkung zurück, in Seitenstraßen wurde offenbar ein größeres Aufgebot bereitgestellt, doch auch diesmal tat die Polizei nichts außer von ein paar, willkürlich ausgesuchten Personen, die Personalien aufzunehmen. Der vor dem Brunnen geparkte Polizeibus wurde in der Zwischenzeit mit Luftballons geschmückt und die Polizei zog sich nach ein paar Verhandlungen zurück, die Kundgebung konnte weitergehen. Es wurden mit der Aktion sichtlich viele Menschen erreicht, so das sogar einige Spenden gesammelt werden konnten.

Ganz ohne Zwischenfälle ging es dann leider doch nicht. Nach Ende der Aktion setzten sich die jungen Leute an den Engelsplatz, wo sie den Tag ausklingen lassen wollten, dort kam es dann zu einer grundlosen Festname, eines Jugendlichen, weil er mit zwei weiteren Personen einem im Schritttempo vorbei schleichendem Polizeifahrzeug hinterher gelaufen war. In der Fußgängerzone eskortierten die drei Jugendlichen den Streifenwagen als dieser plötzlich aus unersichtlichen Gründen eine Vollbremsung machte, so dass der Jugendliche, der sich unmittelbar hinter dem Fahrzeug befand damit zusammenstieß (dies war durch den Fahrer eindeutig provoziert worden). Daraufhin sprangen die Ordnungshüter sofort aus dem Wagen und nahmen den Jugendlichen fest. Die Beamten reagierten überhaupt nicht auf die Fragen von Umstehenden und nannten keine Gründe für diese Festnahme. Als Reaktion darauf gingen sofort alle noch Anwesenden zur Polizeiwache, um dort auf seine Freilassung zu warten. Als sie dort forderten, das der Festgenommene freigelassen werden soll erschienen drei Polizisten am Eingang, wobei einer der Beamten die Anwesenden mit einer Pfefferspray Flasche bedrohte, die er auch auf mehrmaliges bitten (auch von einem Kollegen) nicht wegsteckte. Nach kurzen Diskussionen befand sich der Festgenommene wieder auf freiem Fuß. Ihm drohen nun drei Anzeigen unter anderem Sachbeschädigung weil er mit dem Wagen kollidiert ist.
Im Anschluss dazu entschlossen sich die Teilnehmer der Aktion zu einer Spontandemo als Reaktion auf die Festnahme. Diese führte von der Polizeiwache zum Bahnhof, und verlief ohne Zwischenfälle. Als eine Streife die Sponti entdeckte war sie bereits dabei sich aufzulösen, spätere Versuche eine Sponti zu starten scheiterten dann leider.

Im großen Ganzen war es jedenfalls eine sehr gelungene Aktion!
Und das war sicher nicht die Letzte,
für ein Autonomes Jugendzentrum in Miltenberg!

In der darauffolgenden Nacht wurde offenbar ein leerstehendes Haus zum Schein besetzt und mit Transparenten verschönert. Personen befinden sich allerdings nicht im Gebäude, genaues ist unklar, die Transparente wurden offensichtlich inzwischen entfernt.

Ein weiterer lesenswerter Bericht zu dem Thema ist auf Kommunal.blogsport.de erschienen.


11 Antworten auf “Autonome Grillparty in Miltenberg”


  1. 1 Ich mal wieder 03. März 2009 um 9:26 Uhr

    Mensch ihr habt zur Zeit wohl soviel Aufmerksamkeit, ihr habt zahlreiche Symphatisant/innen in der Region organisiert doch ne Demo oder über intere Mobi ne größere Sponti… hat doch in Wü auch ganz gut geklappt mit der Sponti… also raus auf die Straße… linke Freiräume erkämpfen…

    Ansonsten Respekt was ihr so auf die Beine stellt, da könnten sich einige ne Scheibe abschneiden…

  2. 2 Willi Winzig 03. März 2009 um 12:44 Uhr

    So berichtet heute der Bote vom Untermain:

    Den Wunsch nach einem Jugendtreff untermauert

    JUI Friedliche Demonstration am Miltenberger Marktplatz

    Miltenberg. Rund zwei Dutzend Jugendliche und junge Erwachsene machten am Samstagnachmittag mit einer friedlichen Demonstration in der Miltenberger Innenstadt auf ihren Wunsch nach einem autonomen und von der Öffentlichkeit akzeptierten Jugend- und Freizeitzentrum aufmerksam. Auf Transparenten und auf dem mit Kreide beschriebenen – und ordnungsgemäß wieder gesäuberten – Marktbrunnen forderten die Jugendlichen die Behörden auf, in dieser Hinsicht aktiv zu werden.

    „Unzumutbare Zustände“

    Für sie gibt es momentan keine öffentlichen Räumlichkeiten, um sich neben Schule, Ausbildung und Arbeit in der Freizeit zu treffen. Diese Problematik ist jedoch schon länger ein Thema: Ende Oktober wurde der Jugendtreff in den Räumen der alten Volksschule – wie schon zweimal in den Jahren zuvor – wegen „unzumutbarer Zustände“, so Bürgermeister Joachim Bieber, geschlossen, nachdem das Konzept der Selbstverwaltung für die Jugendinitiative (JUI) gescheitert war. Trotz Verbots hatten Jugendliche auf einer wilden Party am 25. Oktober reichlich Alkohol getrunken und geraucht. Ein kaputtgetretener Spülkasten verursachte damals einen immensen Wasserschaden, ein Waschbecken wurde zertrümmert und Heizkörper aus der Verankerung gerissen.

    Noch kein Thema im Stadtrat

    Die Suche nach einem hauptamtlichen Betreuer eines potenziellen Jugendtreffs ist bisher noch zu keinem Ergebnis gekommen. Bieber hatte in seiner Weihnachtsansprache Mitte Dezember angekündigt, dass der Jugendtreff eine hauptamtliche Leitung bekommen solle und dass er die Hoffnung habe, dem Stadtrat „bis spätestens im Februar“ einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten zu können. Jedoch ist diese Angelegenheit auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung am Mittwoch, 4. März, kein Thema.
    Dem Jugendbeauftragten der Stadt Miltenberg, Hubertus Bundschuh, war von der Demo nichts bekannt, bezüglich des aktuellen Stands der Dinge wünscht er sich mehr Information: „Über dieses Thema erfahre ich absolut nichts“.

    03.03.09

  3. 3 AAS 04. März 2009 um 15:14 Uhr

    ja leute! macht ne sponti!
    würzburg reloaded in aschaffenburg, DAS wär aufmerksamkeit.

  4. 4 @AAS 04. März 2009 um 19:09 Uhr

    Ja klar in Aschaffenburg… genau sollen die Nürnberger doch beim nächsten Mal ihre „Tonsberg“-Demo auch in München machen… warum auch direkt vor Ort… hätte ja eventuell auch direkten Bezug zu…

    Ne Sponti in Miltenberg wäre ohne Probs machbar und die Cops würden wieder völlig am Rad drehen… bis die anständig was in Miltenberg zusammengezogen haben ist Weihnachten vorbei sozusagen… und wenn die Mobi wieder schön in den internen Kreisen läuft sollte das schon klappen… aber das müssen die Mädels und Jungens schon selbst anleiern wenn sie es für sinnvoll halten….

  5. 5 Radikaler Schalk 06. März 2009 um 0:04 Uhr

    kk

  6. 6 Volker Vollbier 06. März 2009 um 12:07 Uhr

    Stadt will JUI wieder eröffnen!
    Nachrichten von heute hier:
    http://kommunal.blogsport.de/hintergrund/es-geht-voran/

  7. 7 Schaulustiger 07. März 2009 um 19:52 Uhr

    Heute warn wieder welche von den „Chaoten“ ;-) in der Stadt unterwegs und haben einen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Der Grund war so viel ich mitbekommen habe, das 2 Eier an die Fasade des Rathauses geschmissen wurden, was von den Feuerwehrmännchen und Weibchen wieder gereinigt wurde :-D :-D Was hab ich gelacht als ich das gesehen habe :-D :-D

    Nur weiter so!
    Keine Stadt ohne autonomes Zentrum!

  8. 8 Schaulustiger 07. März 2009 um 23:30 Uhr

    Nachtrag zum Beitrag „Es geht voran…“ auf kommunal.blogsport.de – Direktlink: http://kommunal.blogsport.de/hintergrund/es-geht-voran/

    Selbstreferentielles System?

    „Die Systeme stabilisieren sich auf sich selbst und schließen sich darin von ihrer Umwelt ab. Dadurch gewinnen sie Beständigkeit und ermöglichen Systembildung und Identität. Selbstreferenzielle Systeme sind `operational geschlossen´; in ihren Prozessen beziehen sie sich nur auf sich selbst und greifen nicht in ihre Umwelt hinaus.“
    (Wikipedia zum Stichwort Selbstreferenzialität, 07.03.09)

    Was also ist ein selbstreferentielles System? Zum Beispiel die für die Aktion am 7. März offenbar verantwortlich zeichnende Autonome Gruppe Miltenberg (AuGruM). Zumindest drängt sich der Verdacht auf. Denn nur in selbstreferentiellen Systemen macht es wirklich keinen Sinn, die eigene Aktion gegenüber anderen Systemen (hier: anderen jugendlichen Subkulturen, Bürger/innen, politischen Organisationen, Sozialverbänden etc.) zu erläutern. Dass dies seitens der AuGruM in Bezug auf die Forderung nach einem unabhängigen Jugendtreff so gewünscht ist, drängt sich auf. So wurden die jüngsten Aktionen jeweils auf Samstag, 14 Uhr gelegt, wenn sich bestimmt niemand mehr in der Miltenberger Innenstadt aufhält; kein Flugblatt erläuterte die Aktionen; die auf das Rathaus geworfenen Eier waren auch nicht vermittelbar, da sich die Stadt gerade wieder geäußert hatte, den Jugendtreff neu zu eröffnen; schließlich ist auch der Name AuGruM (der ganz offensichtlich sowieso nur eine subkulturelle Selbstzuschreibung bedeutet und kein wirkliches politisches Konzept beinhaltet) ein auf Konfrontation, nicht auf Kooperation gebürsteter Name.

    Um jedes Missverständnis auszuschließen: Wer vermutet, in Miltenberg wird es eh nie ein von Stadt und Citywerbegemeinschaft unabhängiges Jugendzentrum geben – und für diese Vermutung spricht sehr viel! – der/die kann selbstverständlich in einem selbstreferentiellen System verharren, kann dieses stärken und sch darin mehr oder minder wohl fühlen. Eine Aktion wie die Eierwürfe auf das Rathaus sind dann ein die Gruppe stärkendes Moment; die Tatsache, dass etwa wegen Sachbeschädigung Einzelne unliebsamen Kontakt mit uniformierten Beamten bekommen, muss dann als Kollateralschaden in Kauf genommen werden. Und der Behelfs-Wasserwerfer der Miltenberger Feuerwehr wäre dann nur die von der Stadt Miltenberg bereitwillig zur Verfügung gestellte Bestätigung, dass die AuGruM in großstädtischer Qualität angekommen ist. (Welch ein Irrtum!)

    Wer aber – in welcher Form auch immer – Ziele anstrebt, der/die benötigt Bündnispartner/innen, Öffentlichkeit, benötigt Klugheit, benötigt auch das, was einstmals als Vermittelbarkeit der eigenen Aktionen bezeichnet worden wäre. Zugegeben: Ob ein Ziel erreicht wird – dafür kann (zumal in der Provinz) niemand garantieren.

    Aber mit dieser Besserwisserei sei dann die Berichterstattung hierzu abgeschlossen. Kommunal wünscht der Miltenberger Jugend nur das Beste!

    ---Kommentare sind gerne gesehen.---

  9. 9 MisterSenistra 08. März 2009 um 14:47 Uhr

    So viel ich weiss gibt es bei den (scheinbar schon vorbereiteten) Flugblättern Probleme mit der Impressumspflicht.

    Ein selbstverständnis der Gruppe existiert meines Wissens nach auch, weiss aber nicht wieso es noch nicht auf die Seite gestellt wurde…

  10. 10 APO 19. März 2009 um 8:11 Uhr

    Geht lieber arbeiten ihr asozialen Punkerschwuchteln.

  1. 1 Autonomes Jugendzetrum Milteberg – Der Kampf geht Weiter! « Autonome Gruppe Miltenberg Pingback am 22. Mai 2009 um 22:28 Uhr
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