Stellungnahme

Am Wochenende wurde von uns eine Stellungnahme, als Antwort auf den Artikel im „Boten vom Untermain“ verfasst, und diese an die Zeitung gesendet. Darin gehen wir unter anderem auf unsere genauen Vorstellungen eines autonomen Jugendzentrums ein.

Diese kann nun auch hier nachgelesen werden:


Stellungnahme der Autonomen Gruppe Miltenberg

Am 06.03.09 stand im „Boten vom Untermain“, dass die Stadt Miltenberg die JUI wieder eröffnen wolle. Diese allerdings mit einem neuen Konzept versehen, da die Selbstverwaltung gescheitert sei. Jedoch war eine solche Wiedereröffnung der JUI nicht Ziel unserer Gruppe, sondern das Errichten eines autonomen (wirklich selbstverwalteten) Jugendzentrums, indem kein Leiterteam wie bisher existiert.
Die Stadt warf den Jugendlichen das Scheitern der Selbstverwaltung vor, doch das Einzige, was wirklich gescheitert ist, war das Konzept des Leiterteams. Viele Jugendliche, die sich in ihrer Freizeit größtenteils in der JUI aufhielten, fühlten sich so nur als Besucher und hatten das Gefühl, keinerlei Einfluss auf den weiteren Verlauf zu haben. Dies bestätigte sich dadurch, dass beispielsweise bei den Leiterbesprechungen kein Nicht-Leiter anwesend sein durfte und somit fühlten sie sich nicht verantwortlich für diesen Raum und die geltenden Regeln in der JUI, wie z.B. das Rauchverbot. Wir haben davon andere Vorstellungen, worauf wir später noch eingehen werden.
Des Weiteren wurde den Jugendlichen nach den Vorfällen am 24.10.08 der angeblich nicht gestattete Alkoholkonsum in den Räumlichkeiten der Jugendinitiative vorgeworfen. Hierbei wurde nicht berücksichtigt, dass die JUI über eine Ausschankgenehmigung verfügte. Als große Beschädigungen des Abends wurden die aus der Verankerung gerissene Heizung, das kaputte Waschbecken und der zertretene Spülkasten genannt. Die Heizung war jedoch bereits seit Längerem herausgerissen und in dem Waschbecken befand sich ebenfalls seit ca. 2 Monaten ein Loch, da eine Flasche darauf gefallen war.
Der Bürgermeister Joachim Bieber äußerte sich in dem letzten Zeitungsartikel zu Miltenbergs Zuständigkeit für die Jugendlichen, die an der Spontanen Aktion, vom 28.02.09 in miltenbergs Innenstadt. Zunächst muss man kritisieren, dass einige Wohnorte der Jugendlichen einfach in der Zeitung bekannt gegeben wurden. Herr Bieber sagte auch, er sei nicht verpflichtet, für die Jugendlichen, die nicht in Miltenberg wohnen, zu sorgen. Die selben Argumente wurden bereits vor 30 Jahren von der Stadt genannt, als sich die damaligen Jugendlichen für einen selbstverwalteten Jugendtreff eingesetzt haben. Schon damals wurde geantwortet, dass Miltenberg eine Kreisstadt ist und von daher eine besondere Verantwortung hat. Dort befinden sich viele Schulen, wodurch diese Stadt für viele Jugendliche aus dem Umkreis der Mittelpunkt ist. Joachim Bieber war während der damaligen Verhandlungen ebenfalls anwesend und müsste es daher besser wissen.
Ein selbstverwalteter Jugendraum braucht nach unseren Vorstellungen kein Leiterteam und wird allein nach den Bedürfnissen der Jugendlichen und nicht der Stadt gestaltet. Als Beschlussorgan wäre eine regelmäßige Vollversammlung, der Interessierte beiwohnen und bei der diese ihre Wünsche und Anregungen äußern. In diesen Vollversammlungen kann dann auch über Personen entschieden werden, die besondere Verantwortungen übernehmen wollen (Schlüssel etc.). Des Weiteren werden Personen beschlossen, die sich um den reibungslosen Verlauf während der Öffnungszeiten des Zentrums kümmern. Es würde keinen Getränkeverkauf geben ausgenommen bei Konzerten, das Einkommen des Treffpunkts würde sich allein auf Konzerteinnahmen und Spenden beschränken. Für alles Weitere wie z.B. die Anschaffung von neuen Möbeln wäre die Stadt zuständig.
Weiterhin wünschen wir uns die Möglichkeit, Jugendlichen, die sich künstlerisch entfalten möchten, eine Plattform zu bieten, z.B. Musik, Graffiti, etc.
Freie Veranstaltungswahl, wobei keine Gängelung der Stadt stattfinden darf, z.B. die JUI als Sündenbock nach einem Punkkonzert, wäre für uns selbstverständlich.
Ein weiteres Problem der JUI waren die ungeeigneten Räumlichkeiten. In den Stockwerken darunter fanden des Öfteren Chorproben oder andere Veranstaltungen statt, die sich durch die Anwesenheit der Jugendlichen gestört fühlen konnten. Daher wünschen wir uns besser geeignete Räumlichkeiten. In Miltenberg gibt es genügend leerstehende Gebäude, welche unsere Anforderungen erfüllen würden.
Falls unsere Wünsche nicht berücksichtigt werden sollten und die JUI wie bisher von der Stadt geplant eröffnet werden sollte, sehen wir unser Ziel als nicht erreicht an und werden weiterhin für unsere Ziele kämpfen.


7 Antworten auf “Stellungnahme”


  1. 1 Altjui 09. März 2009 um 21:35 Uhr

    Im Info intern Nr. 1 der JUI Miltenberg wird im März 1980 über die Podiumsdiskussion des Kreisjugendrings zum Thema Jugendzentren berichtet (diese Diskussion fand am 6. März 1980 statt). Zitiert wird auch Joachim Bieber, damals Mitarbeiter des Landkreises, heute Bürgermeister von Miltenberg. Vor ihm sprach der damalige Bürgermeister von Miltenberg, Anton Vogel. Er betonte laut Mitschrift der JUI: „Jugendliche wollen sich überörtlich treffen, kein Jugendlicher kann zum Verbleiben in seinem Heimatort gezwungen werden.“ Herrn Bieber waren also die richtigen Argumente für ein überörtliches Jugendzentrum seit 1980 bekannt.

  2. 2 Ulli Unrast 09. März 2009 um 22:45 Uhr

    Bote vom Untermain, 10.03.09:

    Protestaktion von Jugendlichen endet mit Eierwürfen
    Demonstration Autonomes Zentrum gefordert

    Miltenberg Mit Eierwürfen auf das Rathaus und den dadurch ausgelösten Einsatz von Polizei und Feuerwehr hat die selbsternannte „Autonome Gruppe Miltenberg“ am Samstag für Aufsehen gesorgt. Die rund 15-köpfige Gruppe von Jugendlichen hatte gegen 17 Uhr ihre Protestaktion für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum vom Marktplatz auf den Engelplatz verlagert.

    Die Feuerwehr war von der Polizei gerufen worden, um Eireste von der Rathausfassade zu spritzen, was rückstandsfrei gelang. „Es entstand kein Sachschaden“, so der Leiter der Polizeiinspektion Bernhard Wenzel auf Nachfrage. Bei der Reinigungsaktion seien allerdings einige der Jugendlichen nass geworden, weil sie sich trotz Aufforderung nicht von der Wand entfernt hatten.

    Bereits am Samstag vor einer Woche hatten Jugendliche aus der Punkerszene auf dem Marktplatz gegen die Schließung des Jugendzentrums (JUI) in der Alten Volksschule protestiert. Die Stadt hatte die JUI wegen massiver Sachbeschädigungen geschlossen. Eine Wiedereröffnung kommt aus Sicht des Stadtrats und der Verwaltung nur unter professioneller Leitung in Frage.

    In einem anonymen Schreiben an die Redaktion hat die „Autonome Gruppe Miltenberg“ gestern angekündigt, ihre Aktionen fortsetzen zu wollen bis ihr Ziel, „die Errichtung eines autonomen (wirklich selbstverwalteten) Jugendzentrums“, erreicht ist. kü

  3. 3 (A)-Sympathisant 10. März 2009 um 15:10 Uhr

    Wegen dem Artikel heute:
    Da wurden aber verdammt wenig Infos von der Zeitung verarbeitet.

  4. 4 Sieglinde Sägebrecht 10. März 2009 um 16:11 Uhr

    Ist auch journalistisch problematisch: Stellungnahmen ohne Absender (und das war es ja wohl) werden eigentlich überhaupt nicht – oder höchstens ganz zurückhaltend verwendet. Vielleicht findet ihr ja jemanden, der/die seinen/ihren Namen hergeben kann, damit künftig alles ganz offiziell mit Absender/Impressum laufen kann. Dann sind auch Flugblätter möglich. Müsste halt jemand sein, der keine Angst vor Repressalien mehr haben muss (Rentner/in, wohlhabende/r Menschenfreund/in, Pfarrer/in …).

  5. 5 Miltenberg Autonom 10. März 2009 um 19:03 Uhr

    Nun, unser Problem ist eben, das Finden einer solchen Person, die auch bereit ist ihre Personalien anzugeben gestaltet sich nicht sehr einfach, ansonsten währen wir vermutlich schon ein gutes Stück weiter.
    Dies ist auch der Grund warum wir bisher noch nicht in der Lage waren unsere vorbereiteten Flyer zu verteilen.

  6. 6 Ping Pong 10. März 2009 um 23:50 Uhr

    Gibt es nicht welche unter euch, die bereits volljährig sind? .. – Für die müsste es doch kein Problem sein, ihre Personalien drunter setzen zu lassen, da sie es ja schon ohnehin die Autonomen in der Öffentlichkeit in personam repräsentieren.

  7. 7 Fritz 31. März 2009 um 16:23 Uhr

    Ich nehme mal an, dass keiner aus dieser gruppe seinen Namen veröffentlicht, da es dadurch zu Übergriffen seitens Rechtsradikaler und/oder ander Feinde kommen könnte

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